Dienstag, 18.12.2018

Privatfriedhof Zahn

Franz Ludwig Zahn, der 1832 von Dresden nach Moers als Leiter des Lehrerseminars berufen wurde und die Nachfolge von Adolf Diesterweg angetreten hat, verfügte über hervorragende Beziehungen zum preußischen Königshaus. Als König Friedrich Wilhelm IV. im Jahre 1852 der Stadt Moers einen Besuch abstattete, übernachtete er bei Franz Ludwig Zahn auf dessen Gut Fild. Bei dieser Gelegenheit muss Franz Ludwig den König wohl gebeten haben, Angehörige auf einem Grundstück seines Gutes, dem sogenannten „Waisenberg“ beerdigen zu dürfen. Der König hat zugestimmt. Gesichert nachgewiesen ist diese Geschichte allerdings nicht. Es gibt auch keine schriftlichen Aufzeichnungen darüber. Im Jahre 1853 starb Anna Zahn, geb. Schlatter, die erste Frau Franz Ludwigs. Er beerdigte sie auf dem Stück Land, das heute der Familienfriedhof ist. Es hat eine Größe von etwas mehr als 900 Quadratmetern. Das zweite Familienmitglied, das hier seine letzte Ruhestätte fand, war Heinrich Zahn, Sohn von Johannes und Enkel von Franz Ludwig Zahn. Heinrich wurde nur elf Monate alt. 1904 verkauften die Erben von Franz Ludwig, der 1890 auf dem Familienfriedhof begraben wurde, das Gut Fild und andere Grundstücke an den Bauern Averdunck. Nach einem im Grundbuch der Gemarkung Vinn auf der Seite 222 eingetragenen Vermerk war das Friedhofsgrundstück ausdrücklich vom Verkauf ausgeschlossen.

Durch ständiges Vererben von Anteilen an diesem Grundstück wuchs die Zahl der Besitzer stetig an, das Grundbuch musste zudem verändert werden. Aus diesem Grund fassten die beiden Brüder Carl und Hans Zahn zusammen mit ihrem Vetter Franz Zahn im Jahre 1941 den Entschluss, den Zahn’schen Familienverband Moers als eingetragenen Verein zu gründen. Seitdem ist dieser Verein alleiniger Besitzer des Familienfriedhofes. Im Laufe der Zeit ist das Erscheinungsbild mehrmals verändert worden, zuletzt in den Jahren 2001 und 2002. Der Große Taxus, durch den der hintere Teil des Friedhofes ständig im Schatten lag, wurde erheblich gestutzt. Das hatte zur Folge, dass sich der Rasen an der Rückseite des Friedhofes endlich entfalten konnte, gleiches gilt für die Hecke, die nie richtig wachsen wollte. Zu eng gestellte Bäume wurde gefällt, die Kronen der alten Bäume von abgestorbenem Geäst befreit. Der Grabhügel mit den Ruhestätten von Franz Ludwig Zahn und seinen beiden Frauen Anna und Josephine ist heute über und über mit Efeu bewachsen, die zum Teil neu gepflanzten Blumen und Sträucher geben dem Friedhof einen friedvollen Charakter.

Es hieß immer, dass sich unter dem Grabkreuz von Franz Ludwig eine große, gemauerte Gruft befinde, in der drei Erwachsene und eine uns unbekannte Anzahl von gestorbenen Kindern liegen sollte. Dort soll auch der kleine Heinrich begraben sein. Die Gräber sind im April 2002 geöffnet worden, dabei hat sich folgendes Bild gezeigt: Franz Ludwig, Anna und Josephine Zahn sind jeweils in einzelnen, mit rotem Backstein gemauerten Grüften bestattet, unter den Grüften gibt es keine Verbindung. Eine vermutete begehbarer Gruft existiert nicht.

Auf dem Friedhof liegen heute 52 Nachkommen von Franz Ludwig Zahn. Nur das Ehepaar Moll gehört nicht zur Familie, sie waren treue Hauseltern in der Taubstummenanstalt von Franz Ludwig, von dem sie persönlich das Beerdigungsprivileg erhielten. Eine letzte Ruhestätte können auf diesem Friedhof nur die Nachkommen von Franz Ludwig Zahn finden, viele Familienmitglieder haben dort eine Grabstelle reserviert.

Im Jahre 1993 hat das Rheinische Amt für Denkmalpflege angeregt, den Zahn’schen Familienfriedhof unter Denkmalschutz zu stellen. Im Gutachten von Frau Dr. Gierschner heißt es: „Der Vinner Friedhof ist bedeutend für die Geschichte des Menschen (Franz Ludwig Zahn, d. Verf.) und der Stadt Moers. Er ist erhaltens- und schützenswert aus wissenschaftlichen, insbesondere orts- und religionshistorischen sowie familiengeschichtlichen Gründen.“