Dienstag, 18.09.2018

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Interview mit Stefan Krämer

ENNI Geschäftsführer Stefan Krämer

Zum Auftakt stellte sich der Geschäftsführer der ENNI Energie & Umwelt Niederrhein den
Fragen zu den aktuellen Entwicklungen.

ENNI spricht nun schon seit längerem gezielt die Menschen am Niederrhein auch außerhalb von Moers und Neukirchen−Vluyn an: Wie erfolgreich sind Sie dabei?

Stefan Krämer: Das ist eines der schönsten Themen unserer Wachstumsstrategie. Am Niederrhein spüren wir die Sympathie der Menschen und unsere Markenbekanntheit. Neben der bundesweiten Großkundenakquisition ist uns hier ein Standbein gewachsen. Wir haben mit attraktiven Preisen und einem umfangreichen Serviceangebot schon Tausende neue Haushalte gewonnen und verkaufen mittlerweile etwa 30 Prozent der Strom− und Gasmengen außerhalb von Moers und Neukirchen−Vluyn. Dabei hilft uns auch eine erfolgreiche Kooperation mit der Volksbank Niederrhein, die in ihren Filialen Strom und Gas der ENNI anbietet.

ENNI ist schon vor der Reaktorkatastrophe in Fukushima in die eigene Stromproduktion eingestiegen, mit dem erklärten Ziel, 50 Prozent des Strombedarfs entsprechende Menge aus eigenen Quellen zu decken. Waren Sie so auf die Energiewende besser vorbereitet?

Krämer: In der Tat: Wir haben früh auf neue Themen gesetzt, bereits seit 2006 auch auf die eigene Stromerzeugung. So ist der Atomausstieg für uns richtig, er ist nur überstürzt und schlecht vorbereitet. Unsere Strategie: ein Mix aus fossilen und regenerativen Kraftwerken. Das kam uns natürlich auch nach der Energiewende entgegen. Wir haben diesen Wachstumskurs somit früher als viele andere Unternehmen der Branche eingeleitet. Das ist heute ein Vorteil bei den regenerativen Anlagen.

Sind die Rahmenbedingungen aus Ihrer Sicht jetzt so, dass man verlässlich planen kann und Energie für Haushalte und Industrie bezahlbar bleibt?

Krämer: Die Überarbeitung des EEG geht in die richtige Richtung, aber ich vermisse den großen Wurf. Die gesellschaftlich gewollte und politisch beschlossene Energiewende gelingt nur, wenn Energie für Haushalte und Industrie bezahlbar bleibt und die Anbieter wirtschaftlich arbeiten können. Hier fehlt mir die Balance. Die explodierenden Kosten und der Verlust an Versorgungssicherheit bleiben weiter die Achillesferse der Energiewende. Der unkontrollierte Ausbau bei den Erneuerbaren der letzten Jahre wird zwar etwas abgebremst, der Anstieg der Kosten aber nur bedingt.

Wie sehen Sie mit Blick auf unsere Region das Thema „Versorgungssicherheit?

Krämer: Das heutige System bleibt durch den rasanten Zuwachs grüner Erzeugungsprojekte gefährdet. Wir benötigen gerade in Spitzenzeiten auch dann Strom, wenn die Sonne nicht scheint und auch der Wind nicht weht. Ich bin überzeugt: Bis wir in Deutschland ausreichende Speicherkapazitäten haben, muss der Gesetzgeber Regelungen schaffen, die konventionelle Kraftwerke finanziell stützen. Sonst ist die Versorgungssicherheit bedroht. Für den Übergang ins neue regenerative Zeitalter benötigen wir zwei parallele Systeme. Der Branche fehlt hier und auch beim Netzausbau ein verlässlicher Rahmen. Das hat auch die Politik erkannt und diskutiert aktuell richtigerweise das Thema Kapazitätsmarkt.

Was heißt das für die Preisentwicklung?

Krämer: Wenn wir an den für mich richtigen und beschlossenen Zielen der Energiewende festhalten, dann werden die Belastungen weiter steigen. Ich bin bei Verbraucherschützern, die weiter steigende Kosten sehen. Das werden Menschen nur akzeptieren, wenn sie woanders entlastet werden. Hier fehlen, etwa bei der Umsatz− oder der Stromsteuer, aktuell noch politische Signale, wie Strom für alle Kunden bezahlbar bleiben soll.

Wird ENNI weiter in „grüne Kraftwerke“ investieren? Wo sehen Sie den größten Bedarf?

Krämer: Wir haben bereits ein zukunftsfähiges Fundament, mit einer Kombination aus fossilen
Kraftwerksbeteiligungen und hocheffizienten Gas−Blockheizkraftwerken sowie regenerativen Projekten vor Ort. Besonders bei den Erneuerbaren leisten wir sichtbare Beiträge für die Energiezukunft unserer Region. Der Solarpark im Mühlenfeld in Neukirchen−Vluyn ist dabei das Leuchtturmprojekt unter Dutzenden Fotovoltaikanlagen. Was uns fehlt, ist ein Windpark am Niederrhein, etwa im Kohlenhuck und auch im Dreieck zwischen Verbandstraße, Rheinberger Straße und A 42. Gerade hier scheinen zwei Anlagen mit jeweils etwa zwei Megawatt Leistung möglich. Bekommen wir die Genehmigung und rechnet sich das Projekt dann noch, würden wir dies sehr gerne umsetzen.

Welches Projekt finden Sie persönlich am faszinierendsten?

Krämer: Ich persönlich stehe sehr auf Pumpspeicherkraftwerke. Diese Anlagen, die bei Stromüberschuss Wasser in eine Art Riesenbadewanne auf Bergen pumpen und es bei Strombedarf durch Turbinen nach unten rauschen lassen, sind derzeit die einzigen großtechnisch bewährten Stromspeicher. Es sollte meines Erachtens dringend über Sonderprämien für solche Anlagen nachgedacht werden, schließlich werden ohne große
Speicher enorme Doppelstrukturen von Wind− und Solarparks auf der einen und konventionellen
Kraftwerken auf der anderen Seite gebraucht. Auch ENNI beteiligt sich über die Stadtwerkekooperation Trianel an der Entwicklung solcher Projekte.

Haben Sie eine Empfehlung, was jeder von uns selbst zum Gelingen der Energiewende beitragen kann?

Krämer: Ein wichtiger Baustein ist für mich die Energieeffizienz. Hier gibt es sicher in den meisten niederrheinischen Haushalten und Gewerbebetrieben noch großes Potenzial, Energie einzusparen. Egal, ob bei der Gebäudehülle oder bei Heizungen, Elektrogeräten oder Beleuchtung, wir bieten mit gezielter Energieberatung und Förderprogrammen Hilfen an.

Das Gespräch führte Dirk Möwius