Enni lässt Friedhöfe von Falknern bejagen
Bussarddame Lexie zieht ihre Kreise über den Grabreihen, während Münsterländer-Hündin Finja aufmerksam das Gelände rund um die Kapelle absucht. Was ungewöhnlich klingt, ist eine bewährte Methode im Umgang mit einer ernsten Situation: Auf dem Friedhof an der Klever Straße hat sich eine regelrechte Kaninchenplage entwickelt. „Die Tiere fressen frisch bepflanzte Gräber leer und unterhöhlen die Abdeckplatten mit ihren Bauten. Diese Verwüstungen sind für die Angehörigen oft sehr schlimm“, erklärt Tim Ketelaers, Teamleiter Friedhöfe und Bestattungen bei der ENNI Stadt & Service (Enni).
Die Enni betreibt die zehn Moerser Friedhöfe im Auftrag der Stadt Moers. Diese zählen zu den sogenannten befriedeten Bezirken, in denen die Jagd nach dem Bundesjagdgesetz grundsätzlich nicht erlaubt ist. Um die Schäden dennoch einzudämmen, hat der Kreis Wesel der Enni eine Sondergenehmigung erteilt. Insgesamt 14 ehrenamtlich tätige Jäger und Falkner hat das Unternehmen beauftragt, die die Kaninchen in den besucherarmen Abendstunden schießen dürfen. Besonders betroffen sind die Friedhöfe an der Klever Straße und in Utfort. „Die Jagd mit Greifvögeln ist eine gute Ergänzung, weil sie leise, gezielt und waidgerecht ist“, so Ketelaers. Auch bei den Besucherinnen und Besuchern komme diese Methode gut an.
Falknerin Gabi Bonten-Mattes und ihr Mann Benno sind zwei- bis dreimal pro Woche mit ihren Tieren im Einsatz – immer dann, wenn Wüstenbussard Lexie „in Kondition“ ist. „Sie darf weder zu hungrig noch zu schwer sein“, erklärt die 59‑Jährige. Zweimal täglich werden die Greifvögel gewogen. Optimal ist für Lexie ein Körpergewicht zwischen 960 und 980 Gramm. Männchen Huutsch ist rund ein Drittel kleiner und entsprechend leichter.
Bei der Jagd arbeiten die Tiere eng zusammen. Während die Hündin Kaninchen in den Büschen aufspürt, behält der Bussard das Gelände aus der Luft im Blick. Bei Bedarf helfen drei Frettchen, die Nager aus ihren Bauten zu treiben. Dennoch ist Geduld gefragt – nicht jeder Einsatz ist erfolgreich. An diesem Tag dauert es rund eineinhalb Stunden, bis der Münsterländer am Rand des Friedhofs etwas wittert. Dann geht alles blitzschnell: Im Sturzflug sichert sich der Wüstenbussard seine Beute.
Für Lexie ist es einer der letzten Erfolge der Saison. Ende Februar beginnt die Schonzeit, ab März dürfen nur noch Jungtiere bejagt werden. Die Greifvögel bleiben dann zur Mauser in ihren Volieren, werden gepflegt, gut genährt und regenerieren körperlich bis zur nächsten Beizjagd im Herbst. „Wir ziehen Ende März Bilanz, anschließend entscheidet der Kreis Wesel, ob die Sondergenehmigung verlängert wird“, erklärt Ketelaers. Unabhängig davon will die Enni weiter versuchen, die Kaninchen zu vergrämen – unter anderem mit Duftstoffen, die die Tiere meiden.
