Verwaltungsrat erhielt Einblick in Wärme- und Gebührenplanung
Es ist ein alljährliches Prozedere – kurz vor dem Jahresendspurt informierten die Vorstände den Verwaltungsrat der ENNI Stadt & Service Niederrhein (Enni) auch in der gestrigen Sitzung bereits frühzeitig über die voraussichtliche Entwicklung der Gebühren im neuen Jahr. Was zuvor schon feststand: 2026 bleiben die Abfall- sowie die Straßenreinigung- und Winterdienstgebühren unverändert. Bei den Friedhofs- und Abwassergebühren kommt Enni an einer Anpassung aber nicht vorbei. Im Umfeld deutlich steigender Kosten und hoher Investitionen in die Zukunft der Kanalnetze und Friedhöfe gäbe es nach zwei Jahren Preiskonstanz hier keinen Spielraum. „Nach dem Plus zur Jahreswende wird sich dann aber auch hier zwei Jahre nichts mehr tun“, gebe dies laut dem Vorstandsvorsitzenden Stefan Krämer den Moerser Bürgerinnen und Bürgern zwei Jahre Planungssicherheit. Abseits von Gebühren betonten die Vorstände gestern, weiter an der Erneuerung der sanierungsbedürftig übernommenen Infrastruktur zu arbeiten und für Bürgerinnen und Bürger Mehrwerte schaffen zu wollen. So blickte Dr. Kai Gerhard Steinbrich auf die seit dem Frühjahr gut laufende Erneuerung der Infrastruktur in der Moerser Innenstadt. Gut für Bürger sei auch, dass Enni den Auftrag der Stadt Moers zur Erstellung der gesetzlich geforderten kommunalen Wärmeplanung umgesetzt und fristgerecht an die Stadt Moers übergeben habe. Die neue Vorständin Sandra Jungmaier resümierte zudem die Freibadesaison, die trotz durchwachsenen Wetters ein Plus an Besuchern brachte. Weniger positiv war hingegen zuletzt die Entwicklung rund um die im Stadtgebiet verteilten Glascontainer. Hier informierte Jungmaier, wie Enni die bereits im Frühjahr beschlossene stufenweise Reduzierung der Containerstandorte bis 2026 umsetzt.
Der Blick auf die Gebührenentwicklung gehört alljährlich in die Herbstsitzung des Verwaltungsrates. Hier stellte Enni-Kostenrechner Tim Feltes die Kalkulation vor, die Basis für die Entscheidung des Rates der Stadt Moers im Dezember sein soll. Bei den durch Enni nur zum Teil beeinflussbaren Entwässerungsgebühren müssen Bürger im neuen Jahr tiefer ins Portemonnaie greifen. Die Niederschlags- und Schmutzwassergebühren werden ab Januar unter anderem durch höhere Genossenschaftsbeiträge an die LINEG und die allgemein enorm gestiegenen Bau- und Personalkosten steigen. Absolut fällt das Plus für Eigentümer eines Muster-Reihenhauses mit 100 Quadratmetern versiegelter Fläche bei der Niederschlagswassergebühr mit monatlich gut einem Euro moderat aus. Die nach dem Frischwasserverbrauch berechnete Schmutzwassergebühr steigt deutlicher, um 53 Cent pro Kubikmeter. Das macht laut Feltes bei dem durch Haus & Grund definierten, jährlich rund 180 Kubikmeter verbrauchenden Musterhaushalt monatlich rund acht Euro aus. Gestiegene Betriebskosten und die enormen Investitionen in die moderne Infrastruktur schlagen auch bei den Friedhofsgebühren durch. Als Gebührentreiber wirken auch die rückläufigen Bestattungszahlen und die sich weiter ändernde Bestattungskultur hin zu günstigeren Urnengräbern. So werden die Friedhofsgebühren durchweg um durchschnittlich elf Prozent zulegen, nach 2020 erstmals auch wieder bei den Nutzungsrechten und nach 2022 bei der Grabbereitung. „Um den Anstieg ein wenig zu dämpfen, empfehlen wir der Politik, wie im Gebührenhaushalt möglich, eine Unterdeckung in Kauf zu nehmen.“
Ist bei den Gebühren nun die Politik gefragt, konnte Dr. Steinbrich seinem Aufsichtsgremien bei der kommunalen Wärmeplanung gestern Vollzug melden. Den Leitfaden auf dem Weg zur Klimaneutralität hat Enni gemeinsam mit dem Planungsbüro BMU Energy Consulting auf Basis der Analyse der Wärmenetze, vorhandener Wärmequellen sowie der aktuellen Wärmeabnahme in den letzten Monaten erarbeitet. Im Ergebnis gelte es, die Wärmeversorgung bis 2040 klimaneutral aufzustellen und in Moers derzeit noch 64 Prozent fossile Wärmeversorgung zu transformieren. Die Planung habe gezeigt, dass dies vor allem über Fernwärme und Wärmepumpen gelingen kann. Dabei veranschaulichte Steinbrich die regionale Eignung und Ausbaupotenziale am Beispiel der Stadtteile. Die Aufgabe sei herausfordernd, die jetzt vorliegende Planung gebe Bürgern Klarheit, wie sie ihre Häuser und Wohnungen in Moers CO2-frei mit Wärme versorgen können. Die fachplanerische Aufgabe sei für Enni damit abgeschlossen. Selbst verfüge Enni damit über einen Leitfaden für den notwendigen Netzausbau, die Baustellenplanung und für kundenorientierte Wärmelösungen. Jetzt würden Bürger mitreden können, dazu habe die Stadt die Wärmeplanung mittlerweile öffentlich ausgelegt.
Auch zur Sanierung der Moerser Innenstadt gab Dr. Steinbrich den Gremien gestern einen kurzen Statusbericht. Bei den seit dem Frühjahr im nördlichen und südlichen Teil der Fieselstraße laufenden Arbeiten komme Enni gut voran. Dabei stellte er unter anderem mit dem Rosenthal bereits fertiggestellte Abschnitte vor. Derzeit liefen im östlichen Teil der Meerstraße und im Kreuzungsbereich der Fiesel- und der Niederstraße die Sanierung der Energie- und der Ausbau der Telekommunikationsnetze. Rund ein Viertel dieses ersten großen Bauabschnitts sei Ende des Jahres bereits umgesetzt. Dann würde die Baustelle in den westlichen Teil der Haagstraße abbiegen und in der Niederstraße Richtung Neumarkt fortgesetzt. Mittlerweile plane Enni bereits am nächsten großen Bauabschnitt, in dem Enni voraussichtlich bereits ab Mitte 2026 die Friedrichstraße und den Teil der Haagstraße zwischen Uerdinger und Burgstraße angehen will.
Bis dahin will die Vorständin Sandra Jungmaier die Glascontainer-Standorte im Moerser Stadtgebiet bereits reduziert haben. Im Frühjahr hatte die Politik das Aus für 13 der heute 55 Standorte beschlossen. Vorausgegangen waren stark gestiegene Reinigungskosten, die die verantwortlichen Dualen Systeme nicht tragen wollten. Da es in mehreren Verhandlungsrunden keine Einigung gab, wird Enni erste, vornehmlich sowieso Problem behaftete Standorte, etwa Hinter dem Acker in Moers-Rheinkamp oder in der Waldstraße in Moers-Schwafheim, noch 2025 abziehen. Wie Jungmaier betonte, werde Enni vor dem Abzug weiterer Container hier die Auswirkungen auf die verbleibenden Plätze beobachten und weiter über die Ergebnisse berichten. Letztendlich berichtete Jungmaier gestern über die trotz des durchwachsenen Wetters gut und ohne Zwischenfälle verlaufene Freibadsaison. Hier hätten sich Besucherzahlen gut entwickelt.
