Enni trifft auf Bastionsmauer unter der Haagstraße
Es ist ein historischer Fund, der gemischte Gefühle auslöst: Bei Tiefbauarbeiten auf der Haagstraße ist Enni auf eine Bastionsmauer aus dem Anfang des 17. Jahrhundert gestoßen. Was Archäologen begeistert, treibt den Bauplanern die Sorgenfalten auf die Stirn – denn die Maßnahme wird sich durch den Fund um einige Wochen verzögern und zusätzliche Kosten verursachen. „Genauer lassen sich die Auswirkungen erst abschätzen, wenn wir die Mauer vollständig freigelegt haben“, erklärt Enni-Projektleiterin Diane Schiffer. Denn in Bodendenkmalzonen müssen Funde dokumentiert werden. Bereits im Winter war Enni auf der Neustraße auf Reste des Neutors gestoßen. „Im Innenstadtbereich müssen wir jederzeit mit solchen Funden rechnen – sie gehören zur Geschichte der Stadt, verändern aber auch unsere Bauplanung.“
Die Arbeiten auf der Haagstraße sind Teil der auf mehrere Jahre angelegten Innenstadtsanierung. Auf dem rund 60 Meter langen Abschnitt entlang der evangelischen Kirche zwischen Kastell und Meerstraße will die Enni sämtliche Leitungen erneuern – für Wasser, Strom, Gas sowie Leerrohre für Glasfaser. Die nun entdeckte Bastionsmauer, die knapp unter der Oberfläche liegt, bringt die Planungen jedoch durcheinander. Denn der Landschaftsverband Rheinland (LVR) als zuständige Denkmalschutzbehörde hat festgelegt, dass die Mauer unbedingt zu erhalten ist. Deshalb muss das Bauwerk mit bislang unbekannter Länge und mehreren Querstrukturen vollständig freigelegt und vermessen werden. „Anschließend müssen wir für unsere Leitungen eine neue Trasse finden“, erklärt Schiffer. Die Verzögerung hat auch Auswirkungen auf den City-Trödelmarkt Anfang Juli – mit der Moers Marketing als Veranstalterin ist die Enni bereits im Austausch.
Aus historischer Sicht ist der Fund dagegen ein Glücksfall: Die freigelegten Mauern erlauben einen seltenen Blick in die Geschichte der Stadt. Die Bastionsmauer war Teil der früheren Stadtbefestigung, die Moers über Jahrhunderte prägte und unter anderem im Sariac-Plan von 1762 dokumentiert ist. Zusammen mit den Resten der Außenmauern des ehemaligen Klosters beziehungsweise späteren Gymnasiums
machen die Funde deutlich, wie eng Stadtentwicklung, Bildung und Verteidigung einst miteinander verknüpft waren. Als originale Zeugnisse tragen sie dazu bei, die Entwicklung der Moerser Innenstadt besser nachvollziehen zu können.
