Mittwoch, 14.11.2018

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    08.11.2018

    Großer Bahnhof am alten Wasserturm

    Die Tinte unter dem Gesellschaftsvertrag ist trocken, der größte Wachstumsschritt nach der Unternehmensgründung im Jahr 2000 für die ENNI Energie & Umwelt Niederrhein (ENNI) notariell beurkundet. Gemeinsam mit den Bürgermeistern der vier direkt von der Entwicklung profitierenden Kommunen, Christoph Fleischhauer (Moers), Harald Lenßen (Neukirchen-Vluyn), Frank Tatzel (Rheinberg) und Rainer Weber (Uedem) und dem Aufsichtsratsvorsitzenden der ENNI, Volker Marschmann, stellten ENNI-Geschäftsführer Stefan Krämer und GELSENWASSER-Vor-stand Dr. Dirk Waider gestern am historischen Moerser Wasserturm ihr neues Kooperationsmodell vor. Die GELSENWASSER AG wird sich an ENNI beteiligen und im Gegenzug ihre Gasnetze in Rheinberg und Uedem in das Unternehmen einbringen. Das mehrjährige Tauziehen um diese beiden Konzessionen ist damit beendet. ENNI wird vom rein auf die Städte Moers und Neukirchen-Vluyn fokussierten Stadtwerk zu einem Regionalversorger, der so in Kürze Eigentümer und Konzessionsnehmer von Energienetzen in weiteren Städten am Niederrhein wird. „Mit GELSENWASSER haben wir nun einen weiteren starken und von kommunalen Interessen geprägten Partner im Boot“, verdoppelt ENNI laut Krämer so ihr Netzgebiet und fasst erstmals in einer Kommune des Kreises Kleve Fuß. Auch für Dr. Dirk Waider ist dieser Schritt bedeutend: „Wir beteiligen uns an einem erfolgreichen Unternehmen und bleiben am Niederrhein auch in Rheinberg und Uedem im Geschäft“, so setze die Kooperation laut Waider auch auf die jeweiligen Stärken beider Unternehmen. „Und wer weiß“, machten Krämer und Waider unisono deutlich: „Gut möglich, dass wir schon bald weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit finden. Das ist jedenfalls unser Ziel.“ 

    Wie schon zur Jahrtausendwende wird ENNI in der Branche auch mit dem jetzigen Schritt aufhorchen lassen. Seinerzeit hatte sich die Politik in Moers und Neukirchen-Vluyn darauf verständigt, gemeinsam mit den privaten Gesellschaftern rhenag Rheinische Energie AG und RWE ein Stadtwerk zu gründen und damit die Chancen des aufkommenden Wettbewerbs zu nutzen. Die Fusion zweier Kommunen mit Regionalversorgern ist deutschlandweit bis heute nur selten gelungen. „Den in unseren Kommunen lebenden Bürgern brachte das die Rundumversorgung aus einer Hand und eine im Bündel der Angebote unterdurchschnittliche Preispolitik“, betont der Aufsichtsratsvorsitzende Volker Marschmann, dass dies stets Ziele gewesen seien. Durch die damalige Weitsicht profitieren heute auch die Gesellschafter von der rasanten und von vielen Wachstumsthemen gekennzeichneten Entwicklung der ENNI. Die ist heute als vielseitiger Dienstleister mit bundesweitem Vertriebsfokus mehr als der reine Energiehändler von damals und zählt am Niederrhein zu den Treibern der Energiewende. So konnte ENNI binnen 18 Jahren den Umsatz sowie den Unternehmenswert jeweils verdreifachen. „Auch die Kooperation mit GELSENWASSER wird die Wirtschaftskraft der ENNI weiter stärken“, davon ist Marschmann überzeugt. 

    Wirtschaftlich bleiben ENNI durch die jetzige Beteiligung der GELSEN-WASSER AG erneut hohe Netzinvestitionen erspart. Krämer geht dabei durch die Integration der beiden Netze von einem deutlichen jährlichen Ergebnisplus aus. Auch der Unternehmenswert steigt um rund 15 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote legt um rund sechs Prozent zu. Noch im November wird der Deal in das Handelsregister eingetragen sein. Nach einer Ertragswertanalyse hält GELSENWASSER dann 5,9 Prozent an ENNI. Die beteiligten Kommunen bleiben mit Anteilen von 64,76 Prozent in Moers (über die Tochter ENNI Stadt & Service) sowie jeweils 4,67 Prozent in Neukirchen-Vluyn und Dinslaken dominierende Gesellschafter. Innogy wird wie bisher mit 20 Prozent beteiligt sein. Die bringt wie GELSENWASSER die privatwirtschaftliche Sicht ein. Diese Gesellschafterstruktur eines Stadtwerks ist für Krämer überlegen. „In der Public-Private-Partnership ergänzen sich lokale Kundennähe und das Netzwerk überregional agierender Gruppen.“  

    Für ENNI ist der Weg nun frei, die Gasnetze in Uedem und Rheinberg zu übernehmen. Hinter den Kulissen arbeiten viele Mitarbeiter bereits seit Wochen daran, notwendige Verträge vorzubereiten, Daten zu migrieren und technische Abläufe zu integrieren. Denn Rheinberger und Uedemer Bürger sollen Veränderungen möglichst schnell über attraktive Produkte und Services oder auch das Sponsoring von Veranstaltungen spüren. Zudem will ENNI den Wirtschaftsstandort Niederrhein über Einkäufe von Waren und Dienstleistungen weiter stärken und so auch den Arbeitsmarkt entlasten. Lieferanten dürften dabei profitieren und ENNI selbst wird zusätzliche Mitarbeiter für die neuen Netzgebiete einarbeiten. Die sollen gemeinsam mit den Kollegen der GELSENWASSER Energienetze GmbH, Gasnetzbetreiber in Uedem und Rheinberg, den technischen Betrieb übernehmen. Dies sind Argumente, die auch bei den Bürgermeistern in Uedem und Rheinberg gut ankommen. In Moers und Neukirchen-Vluyn schätzen die Stadtoberhäupter ENNI längst als wirtschaftlich stabile und zuverlässige Größe: „Es macht für uns sehr viel Sinn, in der Energieversorgung am Niederrhein weiter zusammenzurücken“, so der Neukirchen-Vluyner Bürgermeister Harald Lenßen. Und sein Moers Kollege Christoph Fleischhauer ergänzt: „Das haben uns die wirtschaftlichen Erfolge und die zahlreichen regenerativen Vorzeigeprojekte in unseren Städten in den vergangenen knapp zwei Jahrzehnten gezeigt.“

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