Mittwoch, 18.07.2018

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Kindergarten Alpsray fängt den Wind ein

Windräder in der Landschaft

Auf dem Familienzentrum an der Alpsrayer Straße in Rheinberg erzeugt ein kleines Windrad Strom – und erfüllt außerdem einen pädagogischen Zweck: Die Mädchen und Jungen erleben hautnah mit, wie Energiewende in der Praxis funktioniert.

Sage es mir und ich vergesse es. Zeige es mir und ich erinnere mich. Lass es mich tun und ich behalte es.
Konfuzius

Was der chinesische Philosoph vor zweieinhalb Tausend Jahren formulierte, hat im
Familienzentrum Alpsray noch heute eine zentrale Bedeutung: Die Zeilen aus der Zeit um 500 vor Christus sind der Konzeption der „Integrativen Kindertagesstätte“ vorangestellt. Hans Peter Götzen, Vorsitzender des Trägervereins, übersetzt sie so: „Was wir hier gemeinsam machen, werden die Kinder ihr Leben lang behalten.“ Dazu gehört sogar das Strommachen. Strom aus Wind. Vom eigenen Dach. Vom Dach des Kindergartens: Auf dem Haus an der Alpsrayer Straße steht seit drei Jahren ein „Quirl“. Unter dem Namen kennt jeder das Windrad, das technisch korrekt „Darius−Rotor“ genannt werden müsste. 5000 Euro hat der Trägerverein für das Gesamtpaket investiert. Er fängt wie eine klassische Windmühle die Kraft des Windes ein – ist allerdings sozusagen waagerecht konstruiert. Hans Peter Götzen: „,Der Quirl’ muss nicht
ausgerichtet werden, sondern steht immer richtig zum Wind.“

Die Anlage ist ein Baustein im Gesamtkonzept, mit dem das Familienzentrum seinen Baustein im Mosaik der Energiewende am Niederrhein legt. Neben Gasbrennwerttherme, Solarthermie, Photovoltaikanlage. Der „Quirl“ macht neugierig: In vielen Anrufen und jeder Menge E−Mails erkundigen sich Interessenten danach, was hinter dem Konzept steckt. Es zeigt, dass Windenergieanlagen beileibe nicht gleichzusetzen mit Monsterturbinen an Masten, die die höchsten Kirchen der Welt weit überragen. Götzen: „Einen ,Darius−Rotor’ kann im Prinzip jeder aufbauen“. Auch in Wohngebieten ist die Anlage nicht genehmigungs−, sondern nur anzeigepflichtig. Sie erzeugt keinen störenden Schlagschatten und keinen Lärm.
Allerdings sollten sich Interessenten im Klaren darüber sein, dass sich das kleine Windrad letztlich an eine klar definierte Zielgruppe richtet: Als „Insellösung“ kann es die Stromversorgung von Objekten übernehmen, die in windreichen Gegenden weit entfernt vom Stromnetz liegen. Oder aber es kann mit regenerativer Energie eine überschaubare Grundlast decken. Hans−Peter Götzen spricht Klartext: „Der ,Quirl’ ist nicht der wirtschaftliche Hit. Aber er zeigt, dass umweltfreundliche Stromerzeugung möglich ist und auch im
überschaubaren Format funktioniert.“

Bei Windstärke 2 beginnt sich der „Darius−Rotor“ zu drehen. Bei Sturm (ab Windstärke 9) schaltet er selbstständig ab. Sicherheitshalber. In der Zeit dazwischen „ernten“ die Alpsrayer eine Leistung von 2 KW, die ins Netz des Familienzentrums eingespeist werden. So viel brauchen Kühlschränke und Kühltheke im Dauerbetrieb allemal. Und so ist „der Quirl“ doch mehr als nur ein Steckenpferd der Betreiber. NRW−Umweltminister Johannes Remmel waren die Anstrengungen des Fördervereins jedenfalls eine Anerkennung wert: Er zeichnete die Einrichtung offiziell als „Energiesparer NRW“ aus. Inklusive Urkunde und Plakette.

Rainer Kaussen

Am auffälligsten sind die großen Windräder in der Landschaft, aber auch für den Hausgebrauch gibt es sinnvolle Windkraftanlagen. Ein gutes Beispiel liefert hier der Naturschutzbund (NABU), der in Kooperation mit der ENNI auf seinem Gelände am Naturschutzzentrum in Neukirchen-Vluyn eine Windkraftpumpe errichten will. Mit deren Hilfe will der NABU einen 200 Quadratmeter großen Teich unterhalten. Kleinere, mobile Windräder sind auch in der Freizeit beliebt – etwa bei Seglern und Campern, die auch unterwegs nicht auf elektrische Geräte verzichten wollen.